Schweiz

Roger Köppel: Schweiz sollte vom Ukraine-Krieg die Finger lassen

Im Ukraine-Krieg dominierten laut Roger Köppel emotionale Bilder und moralische Vereinfachungen die Berichterstattung. Dadurch sei eine nüchterne Analyse der geopolitischen Realitäten erschwert worden. Die Schweiz habe unter diesem Druck ihre traditionelle Neutralität weitgehend aufgegeben – ein Fehler, den Köppel klar benennt.

Roger Köppel weigert sich, sich vorschreiben zu lassen, mit wem er reden darf – auch und gerade beim Thema Ukraine. In einer Zeit, in der weite Teile der westlichen Medien und Politik eine klare moralische Linie ziehen und abweichende Stimmen ausgrenzen, beharrt er auf einem anderen Verständnis von Journalismus und Neutralität.

"Ein neutrales Land darf sich während eines Krieges nicht in die Kriegsrhetorik hineinziehen lassen."

Im Gespräch mit Lukas Hässig auf Inside Paradeplatz machte Köppel deutlich, was ihn an der aktuellen Debatte am meisten stört: Die Schweiz habe unter dem Druck emotionaler Bilder und moralischer Empörung ihre traditionelle Neutralität weitgehend aufgegeben.

"Der Krieg ist eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln."

Statt sich zurückzuhalten und Gesprächskanäle offenzuhalten, habe sie sich den Sanktionen der EU gegen Russland angeschlossen und sich damit de facto auf eine Seite gestellt. Für Köppel ist das kein kleiner Ausrutscher, sondern ein grundsätzlicher Fehler.

Er kritisiert, dass starke Bilder aus dem Krieg die öffentliche Wahrnehmung einseitig geprägt haben. Diese Bilder hätten Emotionen geschürt und eine differenzierte Auseinandersetzung erschwert.

"Die Position von Ursula von der Leyen wird überall breit dargestellt. Das lesen wir jeden Tag in den Zeitungen. Aber was denkt eigentlich der Russe?"

Statt die geopolitischen Realitäten und die Konsequenzen politischen Handelns nüchtern zu analysieren, dominiere ein moralisches Raster, das den Konflikt auf die einfache Formel "die Guten gegen die Bösen" reduziere. Wer in diesem Klima auch nur ansatzweise die russische Perspektive oder die tieferen Ursachen des Konflikts zur Sprache bringe, werde schnell als "Putin-Versteher" diffamiert.

Köppel sieht darin einen direkten Widerspruch zum Wesen der Schweizer Neutralität. Ein neutrales Land, so seine Überzeugung, muss gerade in einem Krieg in der Lage sein, mit allen Seiten zu sprechen:

"Mein Interview mit Wladimir Solowjow hat die Mainstream-Medienmacher in Deutschland bewegt."

Ein neutrales Land sollte entsprechend nicht Teil des Wirtschaftskriegs werden und auch nicht durch voreilige moralische Positionierungen seine Glaubwürdigkeit als Vermittler verspielen. Genau das aber sei in den letzten Jahren geschehen.

Besonders scharf kritisiert er die Doppelmoral, die sich inzwischen zeigt: Während es lange als moralisch verwerflich galt, mit Russland zu reden, fordern inzwischen auch führende europäische Politiker wieder diplomatische Gespräche. Für Köppel ist das ein weiterer Beleg dafür, wie stark die Debatte von Stimmungen und moralischen Vorgaben statt von strategischem Denken geprägt ist.

Sein eigenes journalistisches Vorgehen versteht er als Gegenentwurf dazu. Indem er auch mit Personen spricht, die aktuell als unerwünscht gelten – sei es Björn Höcke oder andere umstrittene Stimmen –, versucht er, Perspektiven sichtbar zu machen, die im Mainstream oft ausgeblendet werden.

Nicht aus Sympathie, sondern, weil er überzeugt ist, dass man komplexe Konflikte nur dann ernsthaft verstehen kann, wenn man bereit ist, auch unbequeme Positionen anzuhören:

"Die Schweiz sollte vom Ukraine-Krieg die Finger lassen."

Für Köppel ist echte Neutralität keine passive Haltung und keine moralische Überlegenheit. Sie ist die bewusste Entscheidung, sich nicht in die Kriegslogik einer Seite hineinziehen zu lassen und Gesprächsfähigkeit auch dann aufrechtzuerhalten, wenn der politische und mediale Druck groß ist. Genau diese Haltung verteidigt er – und genau deshalb weigert er sich, sich vorschreiben zu lassen, mit wem er reden darf und mit wem nicht.

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